Die Ankündigung von Pokémon Wellen und Pokémon Winde für 2027 wirft ein Schlaglicht auf ein strategisches Dilemma, mit dem Nintendo 2026 kämpft. Die zehnte Generation der Pokémon-Hauptreihe erscheint ungewöhnlich spät – eine Lücke, die für den Konsolenhersteller kritisch werden könnte. Während die Switch 2 in Japan stark läuft, hinkt sie international hinter den Erwartungen hinterher. Genau hier hätte ein Blockbuster wie Pokémon normalerweise Abhilfe schaffen können.
Die fehlende Blockbuster-Strategie für 2026
Nintendo hat für die Switch 2 bislang nur drei Titel mit konkreten Ankündigungen vorgestellt: The Duskbloods von From Software, Splatoon Raiders und Fire Emblem: Fortune’s Weave. Keiner von ihnen hat ein fixes Releasedatum. Das ist problematisch, denn gerade zum Jahresende braucht die neue Hardware ein klares Zugpferd. In der Vergangenheit waren Titel wie Super Mario Odyssey oder Luigi’s Mansion 3 entscheidend für den Konsolenabsatz in der kritischen Weihnachtssaison.
Splatoon Raiders hätte das Potenzial, diese Rolle zu spielen. Der Vorgänger Splatoon 3 verkaufte sich fast zwölf Millionen Mal – eine beeindruckende Bilanz. Ein Spinoff zur Weihnachtszeit wäre allerdings ein Novum für die Serie und ein gewagtes Experiment.
Bewährte Marken als letzte Hoffnung
Die naheliegenden Kandidaten sind bekannt: Ein neuer 3D-Super Mario-Titel wäre nach neun Jahren seit Odyssey überfällig. Allerdings arbeitet das zuständige Team derzeit an Donkey Kong Bananza. Ob parallel noch Ressourcen für ein Mario-Projekt vorhanden sind, bleibt unklar. Super Smash Bros. ist theoretisch auch reif für einen Nachfolger – acht Jahre sind seit Ultimate eine Rekord-Pause für die Reihe. Doch Schöpfer Masahiro Sakurai ist momentan mit Kirby Air Riders beschäftigt.
Realistischer wirken Luigi’s Mansion 4 oder eine neue Mario Party-Edition. Luigi’s Mansion 3 verkaufte sich über 14 Millionen Mal, und das Studio Next Level Games hat seit 2022 kein eigenes Projekt veröffentlicht. Ein speziell für Switch 2 entwickeltes Mario Party würde zudem Sinn machen – die letzte echte Neuentwicklung für die neue Hardware steht noch aus.
Remakes als strategischer Lückenfüller
Einige Analysten vermuten, dass Nintendo mit Zelda-Remakes Zeit gewinnen könnte. A Link to the Past im Stil von Link’s Awakening oder eine technisch aufgemotzte Version von Ocarina of Time wären schneller umsetzbar als komplett neue Spiele, würden aber dennoch nennenswerte Umsätze generieren. Diese Strategie hätte Precedent: Nintendo nutzt Remakes regelmäßig, um Entwicklungszyklen zu optimieren.
Regionale Unterschiede erfordern differenzierte Strategien
Die Switch 2 zeigt regional stark unterschiedliche Dynamiken. Japan läuft über Erwartungen, Nordamerika und Europa hinken hinterher. Das bedeutet: Nintendo braucht nicht nur einen Hit, sondern möglicherweise unterschiedliche Titel für verschiedene Märkte. In Nordamerika könnte The Duskbloods von From Software mit seiner düsteren Fantasy-Ästhetik punkten, während Japan traditionell stärker auf Nintendo-Marken setzt.
Das Timing-Rätsel und die Ankündigungsstrategie
Nintendo plant typischerweise mit langer Vorlaufzeit. Große Ankündigungen erfolgen meist im Sommer über Nintendo Direct-Präsentationen. Wenn für Ende 2026 ein Blockbuster geplant ist, sollten konkrete Informationen spätestens in den kommenden Monaten folgen. Die bisherige Funkstille ist ungewöhnlich und deutet entweder auf Verzögerungen oder auf eine bewusste Geheimhaltungsstrategie hin.
Was das für Nintendos Zukunft bedeutet
2026 wird zum kritischen Test für die Switch 2. Die Konsole braucht Exklusivtitel, die sich deutlich von Cross-Generation-Spielen abheben. Pokémon hätte diese Rolle perfekt erfüllt – die Verzögerung auf 2027 zwingt Nintendo zu improvisieren. Ein starkes Exklusivspiel könnte die Wahrnehmung der Konsole erheblich verbessern und den nötigen Umsatzschub bringen. Ohne klares Zugpferd droht die Switch 2, das Jahr als Übergangskonsole zu beenden, statt als Plattform mit eigenem Profil zu etablieren.