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PUBG-Entwickler lernen aus Concord und Highguard

Alex Abel
11. April 2026 4 Min Lesezeit 🔥 6.9k Aufrufe 💬 0 Kommentare

Die Entwickler von PUBG ziehen Lehren aus gescheiterten Live-Service-Spielen wie Concord und Highguard. Franchise-Direktor Taeseok Jang sieht in den Misserfolgen konkrete Anhaltspunkte für eine Neuausrichtung der PUBG-Strategie. Statt isoliert an einzelnen Titeln zu arbeiten, sollen künftig Kooperationen und Community-Feedback früher in die Entwicklung einfließen. Diese strategische Neuorientierung könnte zum Vorbild für die gesamte Live-Service-Branche werden.

Warum Live-Service-Spiele scheitern: Die Concord- und Highguard-Lektionen

Concord startete im August 2024 und war nach zwei Wochen wieder offline. Das entwickelnde Studio wurde daraufhin geschlossen. Highguard folgte einem ähnlichen Muster: Januar 2026 Launch, März 2026 Shutdown, Wildlight-Studio aufgelöst. Diese extrem kurzen Lebenszyklen offenbaren ein systemisches Problem: Viele Live-Service-Spiele werden mit großem Budget entwickelt, ohne dass die tatsächliche Spielernachfrage validiert wurde.

Jang analysiert diese Fälle nicht als reine Misserfolge, sondern als Datenquellen. Die zentrale Erkenntnis lautet: Zu viel Entwicklungszeit in geschlossenen Räumen führt zu Produkten, die am Markt vorbeigehen. Wer nicht früh mit echten Nutzern testet, riskiert Millionen-Investitionen auf Annahmen statt auf validiertem Feedback. Die fehlende Marktvalidierung ist dabei ein Muster, das sich durch viele gescheiterte Titel zieht.

PUBG: Blindspot als internes Warnsignal

Auch PUBG Studios selbst erlebte einen Fehlschlag: PUBG: Blindspot, ein Top-Down-Taktik-Shooter, wurde nach weniger als zwei Monaten im Early Access (Januar bis März 2026) eingestellt. Der Unterschied zu Concord oder Highguard: Das Projekt war bewusst klein dimensioniert und kam früh in den Early Access. Das ermöglichte schnelle Einsicht in die Probleme und verhinderte, dass Millionen in ein nicht funktionierendes Konzept flossen.

Aus dieser Erfahrung folgt Jangs zentrale Empfehlung an kleinere Teams: Prototypen schnell bauen, früh in die Community gehen, iterativ lernen. Diese Herangehensweise senkt das finanzielle Risiko erheblich und liefert echte Signale, ob ein Konzept funktioniert. Durch den Early-Access-Ansatz können Entwickler Spielerverhalten beobachten und Designentscheidungen auf realen Daten basieren, statt auf Vermutungen.

Vom Einzelprodukt zum Franchise-Ökosystem

PUBG wird nicht mehr als abgeschlossenes Spiel gedacht, sondern als langfristige Marke mit mehreren Säulen. Das bedeutet konkret: strategische Partnerschaften mit externen Studios, neue Spielmodi in Kooperation statt in Isolation, und eine globale Ausrichtung statt regionaler Insellösungen. Dieses Ökosystem-Modell ermöglicht es, Risiken zu verteilen und gleichzeitig die PUBG-Marke kontinuierlich zu erweitern.

Im Mai startet bereits ein Test dieser Strategie: Der neue Modus „Payday“ entsteht zusammen mit Starbreeze und bringt Raubzug-Gameplay in das PUBG-Universum. Solche Kooperationen ermöglichen es, schneller zu experimentieren und unterschiedliche Spielergruppen anzusprechen, ohne dass ein einzelnes großes Studio alle Ressourcen binden muss. Externe Partner bringen zudem spezialisiertes Wissen und etablierte Fangemeinden mit.

Community-Inhalte als Langzeit-Engagement-Motor

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf nutzergenerierten Inhalten. Fortnite und Roblox zeigen, wie mächtig dieses Modell ist: Spieler werden zu Co-Autoren, was Bindung und organisches Wachstum fördert. PUBG plant, diese Mechaniken stärker zu integrieren—nicht als Zusatz, sondern als Kernbestandteil des Ökosystems. Durch Tools und Plattformen, die Kreativität ermöglichen, entstehen neue Inhalte kontinuierlich aus der Community heraus.

Das reduziert auch den Druck auf das zentrale Entwicklerteam erheblich. Statt alles selbst zu schaffen, wird die Community zur Quelle von Inhalten und Ideen. Dies schafft zudem eine stärkere emotionale Bindung zwischen Spielern und dem Spiel.

Was das für die Industrie bedeutet

PUBG Studios demonstriert hier einen Paradigmenwechsel, den die gesamte Live-Service-Branche beobachtet. Die Ära der geschlossenen, teuren Blockbuster-Entwicklung zeigt Risse. Erfolgreiche Titel entstehen durch Agilität, frühe Validierung und echte Zusammenarbeit statt Hierarchie. Dieser Wandel könnte langfristig dazu führen, dass weniger Projekte scheitern und Ressourcen effizienter eingesetzt werden.

Für andere Studios ist die Botschaft klar: Schneller lernen schlägt länger planen. Externe Partner einbinden schlägt Alles-inhouse-Entwicklung. Community-Feedback ernst nehmen schlägt Vision-Purismus. Diese Prinzipien bilden die Grundlage für nachhaltige Live-Service-Erfolge.

PUBG hat aus den Fehlern anderer und aus eigenen Misserfolgen eine neue Strategie abgeleitet. Ob das Franchise-Modell langfristig trägt, wird sich zeigen—aber der konzeptionelle Richtungswechsel ist deutlich und könnte für die gesamte Industrie Vorbildcharakter haben.

Alex Abel ist Autor bei plaaay.de und schreibt über Games, Hardware und die Themen, die Spieler wirklich bewegen. Sein Fokus liegt auf klaren News, verständlichen Einordnungen und praktischen Guides – von Releases und Updates bis zu Technik, die im Alltag zählt.

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