Nach dem riesigen Erfolg von „Baldur’s Gate 3“ scheint eine Fortsetzung unvermeidlich.
So funktioniert die Unterhaltungsindustrie nun einmal: Wenn sich ein Produkt millionenfach verkauft und sowohl Kritiker als auch Spieler überzeugt, folgt in der Regel automatisch eine Fortsetzung. Dennoch frage ich mich, ob diese Logik in diesem Fall zutrifft.
Schließlich hat Larian Studios bereits deutlich gemacht, dass es kein Interesse an „Baldur’s Gate 4“ hat. Laut Vincke hat das Team vor allem deshalb weitergearbeitet, weil es das Gefühl hatte, dazu verpflichtet zu sein, und nicht, weil die Motivation noch da war.
Diese Entscheidung ist bemerkenswert, zumal „Baldur’s Gate 3“ zu einem der beliebtesten Rollenspiele aller Zeiten geworden ist. Dennoch passt sie zu Larian. Das Studio hat zuvor bereits den Wechsel von „Divinity“ zu „Dungeons & Dragons“ vollzogen und schlägt nun wieder seinen eigenen Weg ein.
Wer entwickelt dann „Baldur’s Gate 4“?
Hasbro hat nun bestätigt, dass es „Baldur’s Gate 4“ entwickeln möchte, doch die Suche nach einem geeigneten Entwickler gestaltet sich schwieriger als erwartet. So verriet beispielsweise James Ohlen, ehemaliger Co-Lead-Designer von „Baldur’s Gate 2“, gegenüber PC Gamer, dass er persönlich von Hasbro angesprochen wurde. Seine Antwort war bemerkenswert ehrlich: Nein. Laut Ohlen würde er scheitern, wenn er an den Erfolg von „Baldur’s Gate 3“ anknüpfen müsste. Das mag übertrieben klingen, macht aber tatsächlich Sinn.
„Baldur’s Gate 3“ ist nicht einfach nur ein großes Rollenspiel. Das Spiel ist das Ergebnis jahrelanger Erfahrung, die Larian mit den „Divinity“-Spielen gesammelt hat, einer über viele Jahre entwickelten hauseigenen Engine und einer ausgedehnten Early-Access-Phase, in der Tausende von Spielern Feedback gegeben haben.
Darüber hinaus verfügt Larian über ein außergewöhnliches Team aus Autoren, Quest-Designern und Programmierern. Die schiere Menge an Auswahlmöglichkeiten, Dialogen und Möglichkeiten macht „Baldur’s Gate 3“ zu einem Spiel, mit dem praktisch kein anderes Studio mithalten kann.
Das ist nicht nur eine Frage des Budgets. Moderne AAA-Studios arbeiten einfach anders. Entwicklungsteams stehen unter großem finanziellen Druck, die Fristen sind enger und die Publisher erwarten schnellere Renditen. Ein Projekt wie „Baldur’s Gate 3“, das sich über Jahre hinweg entwickeln durfte, bevor es offiziell veröffentlicht wurde, ist heute eher die Ausnahme als die Regel.
Zwei Optionen, beide riskant
Sollte Hasbro dennoch mit „Baldur’s Gate 4“ fortfahren, gibt es eigentlich zwei Möglichkeiten. Die erste besteht darin, zu versuchen, „Baldur’s Gate 3“ zu übertreffen. Das bedeutet, Hunderte Millionen in ein gigantisches Rollenspiel zu investieren, dessen Entwicklung Jahre dauert und das letztendlich wahrscheinlich doch mit seinem Vorgänger verglichen wird. Die zweite Option ist genau das Gegenteil. Einem anderen Studio die Freiheit zu geben, etwas völlig anderes innerhalb des „Baldur’s Gate“-Universums zu schaffen. Kein Versuch, Larian zu kopieren, sondern eine eigene Vision mit einem anderen Umfang, einem anderen Spielstil oder einer anderen Geschichte. Das birgt natürlich Risiken, aber vielleicht weniger als der Versuch, ein Spiel zu übertreffen, das für viele Spieler bereits jetzt als Meisterwerk gilt.
Natürlich braucht nicht jedes erfolgreiche Spiel eine direkte Fortsetzung. „Baldur’s Gate 3“ fühlt sich wie ein in sich abgeschlossenes Abenteuer an, das hervorragend für sich allein stehen kann. Vielleicht wäre es klüger, der Reihe – so wie es Larian damals mit „Divinity“ gemacht hat – langfristig einen sanften Neustart zu geben, anstatt um jeden Preis eine nummerierte Fortsetzung zu produzieren. Denn wie man es auch dreht und wendet, ein Problem bleibt bestehen: Jedes „Baldur’s Gate 4“ wird unweigerlich mit „Baldur’s Gate 3“ verglichen werden. Und das ist vielleicht das schwerste Erbe, das ein Entwickler übernehmen kann.
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